Die Heldburger Heybachorgel

Bericht über den Bau und die Einweihung
der Heybachorgel 1827 in der Heldburger Kirche

Zitiert aus der Sendung des Deutschlandfunks vom 31.10.1993 23.05-23.50 Uhr (Originalmanuskript)

Heute führt unsere Orgelreise in jenen Südzifpel Thüringens, der zwischen Bad Königshofen und Coburg wie ein Balkon ins Fränkische hineinragt. Viel Reizvolles und Schönes ist in diesem Landstrich zu finden, der immer etwas abseits, an der Grenze lag.

"Schon von ferne erblickt man die alte Veste Heldburg, auch die Fränkische Leuchte genannt, weil ihre Mauern weiß sind, und sie deshalb von ihrem hohen, kegelförmigen Klingsteinschieferberg weit in das Land hinein strahlt".

Zu Füßen dieses alten Hennebergischen Amts- und Gerichtssitzes breitet sich im Tal der Kreck die regelmäßige Anlage des Städtchens gleichen Namens, das uns um 1830 so beschrieben wird:
"Heldburg, Sitz eines Stadt- und Amtsgerichts und einer Super intendentur über zwölf Parochien hat mit Zubehör in 200 Häusern über 1.200 Seelen, und liegt 2 1/2 (deutsch Meilen, (also etwa 20 Kilometer) westlich von Coburg und südlich von Hildburghausen, 1/2 Meile von den Coburgischen und bairischen Gränzen ... in obstreicher Hügelgegend ."

Stahlstich von Heldburg


"Es gibt hier 6 Thore, 2 Kirchen, 1 Spital, eine gute Schule, wo auch Obstbau gelehrt wird, 2 Mühlen, starke Oekonomie und 12 Jahrmärkte. Der Ort, erst seit 1580 eine Stadt, kam 837, unter dem Namen Helidberga im Untergau, aus der Verlassenschaft des Grafen Asis ans Stift Fulda."

Heldburg hat im Laufe ihrer mehr als 1100-jährigen Geschichte mancherlei Herren gehört - den Hennebergern, den Nürnberger Burggrafen im Mittelalter, dann nacheinander zu den Herzogtümern Sachsen Gotha, Hildburghausen und zuletzt zu Meiningen, bis sie 1919 zum neugebildeten Land Thüringen gelangte.


alte Ortsansicht

Etwa gleichzeitig mit der Stadtwerdung Heldburgs entstand die Pfarrkirche St.Marien, die von Nordwesten her den Marktplatz beherrscht. Die äußere Erscheinung dieses gedrungenen; aber in den Breitenmaßen ausladenden Gotteshauses ist von der späten Gotik geprägt und beeindruckt durch die Gruppierung der Baumassen.

Kirche

Ober den schlank wirkenden, hohen Chor ragt das im Norden angefügte, gewaltige Mauerwerk des Turmes; im Westen schließt sich breit und behäbig das große, einheitliche Dach des Langhauses an, das auf verhältnismäßig niederen Mauern ruht.

Langhaus und Chor

Das Innere überrascht durch seinen ungewöhnlichen Aufbau: Chor- und Mittelschiffgewölbe des Langhauses haben etwa gleiche Scheitelhöhe, während die Wände des Langhauses nur etwa halb so hoch sind wie die des Chores.

Chor


Das Mittelschiff greift demnach weit in den Dachraum ein. Der mit fünf Teilen des Achtecks geschlossene Chor besitzt eine feine Netzwölbung aus dem 16. Jahrhundert; das Mittelschiff des Langhauses dagegen wird von einem spitzbogigen Holztonnengewölbe mit reichem aufgelegten Rippenmuster überspannt,
das erst in den 1820-er Jahren eingebracht wurde.

Langschiff und Orgel

Aus gleicher Zeit stammt auch die Orgel auf der Westempore, ein stattliches Werk in einem feinen, neugotischen Gehäuse, dessen Klang im Raum zu prächtiger Entfaltung kommt. Erbaut wurde es von einem einheimischen Meister, der seine Kunst viele Jahre in der Fremde vervollkommnet hatte, bevor er sich in seiner Vaterstadt niederließ und mit diesem Instrument eine erste, noch heute höchst eindrucksvolle Probe seines Könnens gab.

Die hiesige Kirche wurde vor uns unbekannten Jahren nur ganz klein erbaut, und erhielt den Namen Liebfrauen-Kirche. Schon im Jahre 1502 wurde jedoch dieselbe erweitert und mit doppelten Mauern ausgeführt; auch 1552 der Turm gebaut. Die Kirche selbst blieb in ihrem Baustyle unvollendet, und wurde daher die Decke nur leicht getäfelt,- so weiß die Chronik zu berichten.
1522 wurde in dem Gotteshaus erstmals evangelisch gepredigt, 1554 Emporen eingefügt, 1587 das Innere getäfelt, gemalt und mit einer Orgel geziert.

"Die vorhandene Orgel ward 1612 repariert, und die Kosten betrugen 215 Thaler. Der . Orgelbauer hieß Jörg Kintzig aus Neustadt".
Das Instrument stand auf einer Empore an der Nordseite des Chorraums. Noch heute kann man dort einen Mauerdurchbruch erkennen, der in den Turm führt, wo die Bälge standen. Kantor Reimann-ließ das alte Werk 1650 auf den Singechor versetzen. Danach scheint die Heldburger Kirche während der ganzen Barockzeit im wesentlichen unverändert geblieben zu sein.

"Im Jahr 1775 sollte eine Hauptreparatur der Kirche vorgenommen werden; allein mancherlei Umstände vereitelten dies. Das tiefe Heruntersinken des sonst hier blühenden Wohlstandes, Hungersnot und so manches andere Mißgeschick, besonders der letzte Krieg, haben dem Magistrat nicht gestattet, nur die mindeste Reparatur vorzunehmen. Nachdem nun der Friede in Deutschland wiedergekehrt war und auch das städtische Ärar sich zu erholen angefangen hatte, war es die erste Sorge des Magistrat: ' den längst gewünschten Ausbau der hiesigen Kirche mit einer neu herzustellenden Orgel auszuführen".

Gerne hätte man dieses Vorhaben schon zum Reformationsjubiläum 1817 zum Abschluß gebracht. Doch stellten sich den Arbeiten mancherlei Schwierigkeiten entgegen.

"Diese umständlichen Beratungen verursachten nun wohl einigen Aufenthalt im Baugeschäfte, doch führte eben dieser abwechselnde Stillstand zu manchem Guten, und war dabei insbesondere die inzwischen erfolgte Zurückkunft eines jungen Bürgers erfreulich der als Schreinergeselle auf die Wanderschaft sich begeben und in einem 9-jährigen Besuch vorzüglicher Werkstätten gründliche Kenntnisse im Orgelbau erworben hatte. Dieser damals gerade in Berlin sich befundene junge Künstler wurde auf Anlaß des Magistrats durch seinen Vater heimgerufen, und sofort von mehreren für Kunstsinn gestimmten Bürgern bedeutende Stiftungen unter dem ausdrücklichen Beding gezeichnet, daß ersagtem jungen Bürger der Bau der Orgel anvertraut werde".

Er hieß Lorenz Conrad Adam Heybach und war fast auf den Tag 31 Jahre alt, als sein neues Werk am S. Dezember 1825 durch den Heldburger Kantor Brehm und den Orgelbauer Schmidt aus Themar der gestrengen Abnahmeprüfung unterzogen wurde und dabei "den größten Beyfall fand".

"Der innere Ausbau der Kirche, so wie die Orgel, ist ganz im gothischen Styl ausgeführt und geschmackvoll hergestellt. Der Beifall eines jeden Bauverständigen und Musikfreundes hat dies bestätigt... Die Bürgerschaft und alle Einwohner, welche so bereitwillig mit Hand und Anspann zu diesem sorgenvollen Bau gefrohnt und nie den mindesten Widerwillen erregt haben, werden durch den frohen Genuß einer schönen Kirch` und herrlichen Orgel reichlich entschädigt"

So lesen wir in einer Festschrift, die der Heldburger Superintendent Lomler 1827 anläßlich der feierlichen Einweihung der erneuerten Kirche und Orgel herausgab. Ganz besonders stolz war man darauf, das große Werk ganz aus eigener Kraft vollbracht zu haben:
"Es ist niemals Jemanden außer unserer Stadt auch nur der kleinste Beitrag dazu im entferntesten angemuthet worden... Alles, was in dieser Kirche Neues oder wenigstens neu Verziertes zu sehen ist, namentlich auch die Orgel, ist durch die Kräfte der Stadt und Gemeinde selbst geschafft worden".

Der 3. Pfingsttag 1827 war ein großer Tag in der Geschichte der Stadt Heldburg:

"Schon am Sonntag Exaudi wurde der hiesigen Gemeinde von der Kanzel bekannt gemacht, daß der dritte Pfingsttag, der 27. Mai, zu der feierlichen Einweihung ihrer erneuerten Kirche bestimmt worden sei. Am zweiten Pfingsttage Abends '8 Uhr wurde das bevorstehende Fest mit allen Glocken eingeläutet; am Weihetage selbst geschah Morgens 5 Uhr ein Gleiches. Um 8 Uhr wurde das erste Zeichen zum Gottesdienste gegeben. Um 9 Uhr versammelten sich alle die den Zug bildenden Personen auf dem Rathause, der um halb 10 Uhr sich folgendermaßen in Bewegung setzte:
Ihn eröffnete der geschickte Erbauer unserer neuen Orgel, Herr Laurenz Conrad Adam Heybach, geführt von zwei jungen Bürgern. Seine feinen und beredten Gesichtszüge konnten nicht verbergen, daß sein Inneres sich in einer großen Bewegung befand. Ihm folgten die hiesigen, bei dem Kirchbau beschäftigt gewesenen Handwerker, ihre bebänderten Werkzeuge tragend; sodann eine Reihe Musikanten. In einem schicklichen Zwischenraum zog nun die mit Blumen und Kränzen auf das reichlichste und heiterste geschmückte Schuljugend, 208 Mädchen und Knaben, einher".

Ihnen schloß sich die gesamte Bürgerschaft an. Zuletzt folgten der Magistrat, die Geistlickeit und die Beamten sowie der "höchsten Orts abgesandte Herr Commisarius nebst den ihn begleitenden Mitgliedern der Hohen Landesregierung zu Hildburghausen".

Ihnen schloß sich die gesamte Bürgerschaft an. Zuletzt folgten der Magistrat, die Geistlickeit und die Beamten sowie der "höchsten Orts abgesandte Herr Commisarius nebst den ihn begleitenden Mitgliedern der Hohen Landesregierung zu Hildburghausen".

"Die Türen taten sich auf. Einzogen die zahlreichen frommen Scharen; die drei Stadtgeistlichen sanken am Altare auf ihre Kniee nieder. Wer hätte nicht beten wollen? Eine wohlausgeführte Symphonie ertönte, indem immer noch Fremde und Einheimische eintraten. Als endlich alle Sitze, alle Gänge, Thüren und Vorplätze sich mit Gläubigen gefüllt hatten, sang die Gemeinde: 'Der Weihetag ist da, zum Festtag uns gegeben'...'  ".

Gebete, Lesungen und weitere Choräle schlossen sich an, unter denen die Wachskerzen auf dem Altar entzündet wurden.

"Nunmehr begann die Kirchenmusik, deren Text von dem hiesigen Superintendenten, die musikalische Composition aber von den Meisterhänden unseres Cantors Carl Heinrich Brehm war. Wie wenige Künstler hat dieser ausgezeichnete Musikkenner den wahren Geist der Kirchenmusik aufgefaßt:

'Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!

Ein Wiederschein derselben ist der Tempel, von Menschenhand erbaut; des Menschen dankend Lied in diesem Tempel nur ein Ton..."

Bevor die Festpredigt folgte und der Gottesdienst mit einem machtvollen "Te Deum" ausklang, nahm Superintendent Lomler die feierliche Weihe von Kirche und Orgel vor:

"Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes weihe ich dich, du, nebst Altar und Kanzel, teuerstes Kleinod unserer Kirche, du Orgel, heiliges Werkzeug zur Belebung stiller, feierlicher Andacht, zwar nur von der Hand eines Menschen gebildet, aber eines würdigen Künstlers und Bürgersohnes aus unserer Stadt. Durch die Schönheit, die Kraft, die Fülle deiner Töne gib du unsern Seelen Flügel, sich zu erheben in das Land aller geistigen Schönheit und Vollkommenheit. Sei gesegnet, erwecke, begleite, verstärke jedes unserer religiösen Gefühle. Und damit du allen Anwesenden zeigest, daß du dies vermögest, so enthülle jetzt den ganzen Reichtum deines Wohllauts. Rede, sprich selber in deiner geheimnisvollen, wunderbaren Sprache, deren Deutung sich uns in dem innersten Heiilgtum unserer Brust kundtut!"

Orgel

Heybachs Heldburger Orgel besitzt 25 klingende Stimmen von wohldurchdachter Disposition und meisterlicher Klanggebung, die auf Hauptwerk, Oberwerk und Pedal verteilt sind. Zehn gehören zum Hauptwerk, das von einem kraftvollen, harmonisch zusammenstimmenden Prinzipalchor beherrscht wird. Auf den Prinzipal 8-Fuß gegründet, wird er über die Oktave und Quinte zur Superoktave geführt und von einer 4-chörigen Mixtur gekrönt. Die Reihe der Grundstimmen ist in der für Thüringen so typischen Art mit einer charaktervollen Gambe und einer runden, weich und voll tönenden Hohlflöte 8-Fuß besetzt, die durch ein feinstreichendes Salicional 4-Fuß aufgehellt und von einem fülligen, weichen Bordun 16-Fuß, grundiert werden.Die Familie der Rohrwerke ist mit einer Trompete 8-Fuß vertreten.
Das Pedal gibt dazu mit, seinen 6 Registern das gehörige Fundament. Da haben wir den Subbaß und einen Violonbaß 16', zwei Oktavenbässe von 8- und 4-Fuß sowie zwei gravitätische Posaunenbässe von 16- und 8-Fuß, an welche je nach Bedarf die im Hauptwerk gezogenen Stimmen angekoppelt werden können.
Sehr farbenreich sind die 9 Stimmen des Oberwerks disponiert. Auf einem Quintathön 16' sind Salicional und Gedackt 8-Fuß, ein kräftig-klarer Prinzipal und ein wundersames "Flauto dolce" 4-Fuß aufgebaut. Während der Weitchor in einer Nasatquinte gipfelt, schlägt eine helle Octave 2-Fuß die Brücke zur Klangkrone einer 3-fachen Mixtur. Leider ist sie ebenso wie Mixtur des Hauptwerks in ihrem Pfeifenbestand stark ausgeplündert und derzeit nicht zu gebrauchen. Doch verfügt die Heldburger Orgel bereits ohne diese Klangkronen über ein voll befriedigendes, dichtes Plenum von romantischem Gepräge. Die Familie der Zungenstimmen ist im Heldburger Oberwerk durch eine orgelbauliche Zimelie von hohem Rang vertreten. Die Vox angelica 8-Fuß, 1825 erbaut, ist eine der frühesten "durchschlagenden" Zungenstimmen, die wir überhaupt besitzen.


"Bei dieser Bauart ist die Kehlenöffnung so breit gehalten, daß die Zunge frei hinund herschwingen kann. Im Klang sind die durchschlagenden Zungen weich und rund, weniger -reich an Obertönen, nicht schnarrend, aber auch weniger klar und von geringerer Kraft als aufschlagende Zungen. In der Hauptsache geht die Verwendung der durchschlagenden Zungen auf Abbé Vogler zurück, der mit ihnen die Holzbläser des Orchesters nachahmte".

So erklärt eine älteres Orgelbau-Lexikon die Bauweise dieser Zungenstimmen, die erst von den 1840-er Jahren an eine "allgemeinere Verbreitung" fand und dann vor allem bei dem Orgelregister "Clarinette" beliebt war.

Orgelpfeifen

Lorenz Conrad Adam Heybach wurde am 23. Dezember 1794 in Heldburg geboren, wo Nachfahren der Familie noch heute leben. Er besuchte die Schule seiner "handwerksfleißigen" Vaterstadt und ging sodann bei einem Schreiner in die Lehre. Anschließend begab er sich, 1814 oder -15 wird das gewesen sein, auf die zunftgerechte Wanderschaft, die neun Jahre dauerte. Die einzelnen Stationen dieser Wanderjahre, die Heybach Schritt für Schritt mit der Orgelmacherkunst vertraut machten und zur Meisterschaft führten, sind bislang nicht bekannt. Wir wissen nur, daß er zuletzt "!längere Zeit in Berlin" gearbeitet hatte, als er 1823 oder -24 nach Heldburg zurückgerufen wurde, um "nach einer genauen Überprüfung seiner Kenntnisse durch die zuständige Behörde" mit dem Bau seines Heldburger Meisterwerks zu beginnen.
Seine entscheidende künstlerische Prägung hat Heybach jedenfalls in Berlin empfangen, und daraus erwuchsen der Thüringer Orgellandschaft kraftvolle neue Impulse. Aus der Reihe der damals in Berlin tätigen Orgelmacher ragt neben dem konservativen, noch ganz in der Traditionsfolge des Barockmeisters Joachim Wagner stehenden Friedrich Marx vor allem der fortschrittlichere, aus Thüringen stammende Johann Simon Buchholz hervor, der seit 1817 von seinem nachmals noch berühmteren Sohn Carl August Buchholz "in seinem Geschäft unterstützt" wurde.

"Die Orgeln von Buchholz zeichnen sich durch vorzügliches Baumaterial, durch große Mannigfaltigkeit der charakteristischen Klangfarben und durch unvergleichlich schöne und gleichmäßige Intonation und Ansprache aller Töne aus. Diese herrliche Intonation, und somit die wohlthuende Wirkung der ganzen Orgel, hat vorzüglich darin ihren Grund, daß bei der Intonation jeder Pfeife nur das zugemuthet wird, was sie ihrer Natur nach, vollkommen schön leisten kann; über diese natürliche Schönheit geht Buchholz nie hinaus".


Treffender als mit diesen Worten eines Zeitgenossen ließe sich auch Heybachs Heldburger Orgel und die Besonderheiten ihrer von den Thüringer Zeitgepflogenheiten deutlich abweichenden Klanggestaltung nicht beschreiben. Aber auch die außerordentliche Sorgfalt, die er auf das Äußere seines Instruments verwandte, hat Heybach mit den Buchholz gemein. Eng haben diese bei der Gestaltung ihrer Orgelfassaden mit dem genialen Berliner Baumeister Carl Friedrich Schinkel zusammengearbeitet. Auch Heybachs fein durchgestalteter Heldburger Prospekt wirkt in seiner subtilen Neugotik wie der Nachklang eines SchinkelEntwurfs und war 1825 in Thüringen wohl das erste neugotische Orgelgehäuse weit und breit. Ein weiteres, sehr konkretes Indiz für Heybachs Ausbildung bei Buchholz ist schließlich die schon erwähnte "Vox angelica", die als durchschlagende Zungenstimme des "NebenClaviers" in Buchholz-Dispositionen recht häufig, sonst aber nirgendwo anzutreffen ist.

Mit der Heldburger Orgel war Heybachs Ruf glanzvoll begründet. An Aufträgen fehlte es dem jungen Meister nicht. 1828 erfahren wir zum Beispiel: "Zur großen Belästigung des Gemeinde- und Kirchenärars zu Streufdorf leidet die Orgel in der dortigen Kirche an mehreren erheblichen Mängeln. Der Orgelbauer Heybach hat deren Zustand untersucht und die nötigen Reparaturen angegeben. Es verlangt derselbe dafür 148 Thaler und freye Beköstigung".

Neben solchen Reparaturarbeiten muß eine beachtliche Reihe von Neubauten gestanden haben. Wann immer wir von Heybach hören, war er "mit Arbeit überhäuft". Näheres ist darüber allerdings nicht bekannt. Denn Heybachs Wirken und Werk ist bislang gänzlich unerforscht. Allein im Landkreis Hildburghausen steht heute noch ein halbes Dutzend kleinerer und größerer Orgeln aus den 1830-er Jahren, deren Erbauer noch nicht ermittelt werden konnte. Das eine oder andere dieser Instrumente dürfte aus Heybachs Werkstatt stammen, und auch im weiteren Umkreis des alten Hildburghäuser Territoriums mag heute noch so manches Werk dieses tüchtigen Meisters unerkannt geblieben sein, der bereits am 13. Dezember 1842 auf der Höhe seines Schaffens starb.


Ein halbes Jahr später heißt es in den Heldburger Akten:
"Unsere Orgel ist anerkannt das beste Werk weit und breit, und es muß daher ... viel daran liegen, daß dasselbe immer in einem guten Zustand erhalten werde. Es hat zuvor ein wohllöblicher Gemeinderat mit dem Orgelbauer Heybach seligen Andenkens einen Vetrag abgeschlossen, demgemäß die Rohrwerke monatlich ein Mal gestimmt wurden. Die übrigen Register kamen dabey nicht in Berücksichtigung. Schon weyland Heybach sah die Notwendigkeit ihrer Reinigung und Stimmung ein, konnte im vorigen Herbst wegen überhäufter Arbeiten aber nicht zur Ausführung schreiten. Da er nun tot ist, so muß gedachte Arbeit jetzt einem anderen bewährten Orgelbauer übertragen werden, ... zumal die Rohrwerke sehr zärtlicher und diffiziler Natur sind".

Damals wie in den folgenden anderthalb Jahrhunderten fanden sich "bewährte Orgelbauer", die Heybachs Meisterwerk "in gutem Stand und hohen Ehren" hielten. So hat die Heldburger Orgel bis heute die Zeiten ohne Änderung des Klangbilds, ohne wesentliche Eingriffe in ihren technischen Bestand überdauert - eines der interessantesten und authentischsten Instrumente der Südthüringer Orgellandschaft.
Nach vierzig Jahren der Vernachlässigung wäre nun die Zeit für eine fachgerecht behutsame Instandsetzung gekommen. Dabei wäre die etwas ausgespielte Traktur zu überholen, die Windversorgung, Schleifladen und das vorhandene Pfeifenwerk in Ordnung zu bringen sowie die abgängigen Chöre der Mixturen zu ergänzen - mehr nicht.


"Das herrliche Werk unseres hochbegabten Künstlers Heybach erfreut, trotz seines Alters, noch heute durch den Wohlklang seiner Register jeden Gottesdienstbesucher".

Weitere Informationen zur Geschichte Heldburgs in der
Chronik der Evangelisch - Lutherischen - Stadtkirche
von Pfarrer Detlef Mühlmann, 01.06.1998 - 31.07.2008 Pfarrer in Heldburg-Ummerstadt.

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